| Streit um Entschädigung nach «Concordia»-Havarie |
| Ob eine solche Entschädigungsvereinbarung auch für deutsche Reisende des Unglücksschiffes gelten könnte, war zunächst unklar. Die Einigung betrifft allerdings ausdrücklich nicht die... |
| Holocaust-Gedenken: Eindringlicher Appell zum Hinschauen |
| Da sind die vielen, immer noch offenen Fragen um die Mordserie der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle und ihrer Helfershelfer, da ist die erschreckende Erkenntnis des neuen... |
| Fehlstart für Kaymer: Halbzeit-Aus in Abu Dhabi |
| Nach einer schwachen 77er Auftaktrunde benötigte Kaymer auf der zweiten Runde 73 Schläge und schied mit insgesamt 150 Schlägen auf dem geteilten 103. Rang sang- und klanglos aus. «Der... |
| Streit um Entschädigung nach «Concordia»-Havarie |
Rom/Marl (dpa) - Überlebende des «Concordia»-Schiffunglücks sollen von der Reederei eine Entschädigung von je 11 000 Euro bekommen. Eine italienische Verbraucherorganisation übt Kritik an den «Almosen». Überlebende und Hinterbliebene planen unterdessen eine Sammelklage in den USA.
Ob eine solche Entschädigungsvereinbarung auch für deutsche Reisende des Unglücksschiffes gelten könnte, war zunächst unklar. Die Einigung betrifft allerdings ausdrücklich nicht die Familien der Opfer und verletzte Passagiere, erklärte Astoi Confindustria. Dieser Schritt genügt vielen nicht. Überlebende und Hinterbliebene wollen sich zu einer Sammelklage in den USA zusammenschließen. Und in Italien entbrannte ein Streit um die angekündigten Entschädigungszahlungen.
So wendet sich die italienische Verbraucherorganisation Codacons gegen die pauschale Entschädigungs-Summe. Sie forderte alle Passagiere auf, «diese Almosen nicht zu akzeptieren». Der einzige Weg, zu einer angemessenen Entschädigung zu kommen, sei die unter anderem von Codacons angestrebte Sammelklage in Italien und den USA. An der Sammelklage in den USA sollen sich auch mindestens 16 Deutsche beteiligen wollen. «Angedacht sind 160 000 Dollar für Überlebende und eine Million aufwärts für Verstorbene», sagte der Rechtsanwalt Hans Reinhardt am Freitag in Marl und bestätigte Angaben auf «bild.de». Er vertrete bisher 15 Überlebende und den Sohn einer getöteten Reisenden. Weitere Hinterbliebene überlegten, ob sie sich anschließen. «Wir arbeiten mit einer amerikanischen Kanzlei in New York zusammen», sagte Reinhardt.
Auch am Freitag suchten Taucher am Wrack der «Costa Concordia» nach Vermissten. Nach wie vor gelten etwa 20 Menschen als verschollen, darunter acht Deutsche. 16 Tote wurden bislang geborgen. Vier von ihnen kommen nach Angaben des Auswärtigen Amts aus Deutschland.
Wie am Freitag bekannt wurde, kam auch ein Passagier aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ums Leben. Das Bundeskriminalamt habe bestätigt, dass die Leiche des 72-jährigen Mannes identifiziert worden sei, sagte ein Sprecher der Kreispolizei Steinfurt. Der Mann war mit seiner 68 Jahre alten Ehefrau auf der «Costa Concordia» gewesen. Zum Schicksal der vermissten Frau gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, sagte der Polizeisprecher. Zuvor waren ein 74-jähriger Mann aus Hessen, eine 52 Jahre alte Frau aus Mittelfranken und ein Berliner identifiziert worden.
Die 11 000 Euro Entschädigung für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung infolge der Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis «liegt über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze», heißt es in der Mitteilung des Reiseindustrieverbands Astoi Confindustria. Wer auf das Angebot eingehe, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen.
An Bord der gekenterten «Costa Concordia» waren etwa 4200 Menschen, darunter 560 Deutsche. Die Entschädigung soll den Angaben zufolge auch für Kinder bezahlt werden, die kostenlos dabei gewesen seien, so dass ein Ehepaar mit zwei Kindern 44 000 Euro erhalten könnte. Der Reederei sei daran gelegen gewesen, das durch die Havarie entstandene Image nicht noch weiter zu verschlechtern, schrieb die römische Tageszeitung «La Repubblica». Die Havarie werde die Reederei alles in allem Hunderte von Millionen Euro kosten.
Gleichzeitig wollten die Bergungsexperten des Unternehmens Smit letzte Vorbereitungen für das vom Wochenende an geplante Abpumpen der etwa 2300 Tonnen Treibstoff auf den Schiffstanks abschließen. Der für Samstag vorgesehene Beginn der Aktion verschiebe sich noch einmal um einige Stunden, sagte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli am Freitag.
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| Holocaust-Gedenken: Eindringlicher Appell zum Hinschauen |
Berlin (dpa) - Es sind keine guten Nachrichten, die in diesen Tagen das jährliche Holocaust-Gedenken anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 begleiten.
Da sind die vielen, immer noch offenen Fragen um die Mordserie der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle und ihrer Helfershelfer, da ist die erschreckende Erkenntnis des neuen Expertenberichts zum Antisemitismus, nach dem hierzulande etwa 20 Prozent der Bevölkerung latent antisemitisch sind.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mahnte angesichts dieser Zahl am Freitag bei der Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag eindringlich: «Das ist für Deutschland genau 20 Prozent zu viel.» Und die Aufdeckung der beispiellosen Mordserie führe zudem auch vor Augen, dass das Ziel, «dass in Deutschland alle Menschen frei und gleich und ohne Angst leben können», noch nicht erreicht sei.
Doch Lammert setzte dagegen zugleich auch den Mut und die Zivilcourage von Einzelnen, Vereinen und ganzen Dörfern, die sich beherzt Aufmärschen von Rechtsextremen entgegenstellten: «Es sind Menschen, (....) die nicht wegsehen, Diskriminierungen nicht unwidersprochen stehen lassen. Es sind Menschen, die ein Beispiel geben, die Mut machen.»
Zusammen mit Bundespräsident Christian Wulff hatte Lammert zuvor den gesundheitlich sichtlich angeschlagenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in den Plenarsaal des Bundestages geleitet. Nicht als Historiker, sondern als unmittelbarer Zeitzeuge und als Überlebender des Warschauer Ghettos berichtete der heute 91-Jährige, wie er am 22. Juli 1942 den Auftakt der Deportation der Warschauer Juden in die Vernichtungslager mit ihrer Todesmaschinerie erlebte.
Reich-Ranicki, damals bereits aus Berlin nach Polen deportiert, arbeitete in jenen Tagen als Übersetzer für den Warschauer Judenrat. Mit bewegter, schwer verständlicher Stimme berichtete er, wie er in das Amtszimmer des Obmanns des Judenrates, Adam Czerniaków, gerufen wurde und er das Verlangen der SS protokollieren musste, dass der Jüdische Ordnungsdienst fortan täglich tausende Juden zur «Umsiedlung» an einem an einer Bahnlinie gelegenen Übergabeplatz bringen sollte. «Aber noch wusste niemand, wohin die Transporte gingen, was den "Umsiedlern" bevorstand», schilderte Reich-Ranicki.
Doch aus den schlimmsten Befürchtungen sollte schnell Gewissheit werden. Zum Abschluss seiner Schilderung sagte Reich-Ranicki bilanzierend: «Die in den Mitvormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die "Umsiedlung der Juden" genannt wurde, war bloß (...) eine Aussiedlung, die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck - den Tod.»
Im Vorfeld seines Auftritts im Bundestag hatte Reich-Ranicki der Zeitung «Jüdische Allgemeine» berichtet, dass er der Rede mit gemischten Gefühlen entgegensehe. «Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, ob ich der Aufgabe gewachsen bin, noch einmal über das Schicksal der Juden im Warschauer Ghetto zu sprechen.» Es vergehe bis heute kein Tag, an dem er nicht an das Ghetto denken müsse. «So etwas vergisst kein Mensch.»
Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille. Doch auf einen Teil der Abgeordneten wartete ausgerechnet an jenem Gedenktag noch eine wichtige Aufgabe. Am Mittag konstituierte sich der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestages.
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| Fehlstart für Kaymer: Halbzeit-Aus in Abu Dhabi |
Abu Dhabi (dpa) - Kapitaler Saison-Fehlstart statt Titel-Hattrick: Deutschlands Golfstar Martin Kaymer hat bei der mit 2,7 Millionen Dollar dotierten Abu Dhabi Championship den Halbzeit-Cut verpasst und kann seinen Sieg aus dem Vorjahr damit nicht mehr verteidigen.
Nach einer schwachen 77er Auftaktrunde benötigte Kaymer auf der zweiten Runde 73 Schläge und schied mit insgesamt 150 Schlägen auf dem geteilten 103. Rang sang- und klanglos aus. «Der Golfplatz ist auf jeden Fall schwerer als in den früheren Jahren. Das Rough ist ziemlich dick und die Fairways sind erheblich enger. Die Grüns haben sich aus meiner Sicht nicht verändert. Aber für mich waren sie auf jeden Fall sehr schwer», stellte Kaymer frustriert fest.
Nicht viel besser erging es Alexander Cejka. Der 41-Jährige schaffte kein einziges Birdie und schied nach einer 75er Runde mit insgesamt 147 Schlägen wie Kaymer aus. Einziger Lichtblick aus deutscher Sicht war Marcel Siem. Der Ratinger bekleckerte sich auf seiner 74er Runde zwar ebenfalls nicht mit Ruhm, schaffte auf dem geteilten 59. Platz aber immerhin den Cut. «Der Platz ist schon sehr eng und nimmt einem das Selbstvertrauen, wenn man ein paar schlechte Drives macht», sagte Siem.
Die Führung übernahm dank einer 67er Runde der Däne Thorbjörn Olesen mit 137 Schlägen. «Ich habe großartig gespielt. Vor allem auf den vorderen Neun habe ich die Grüns getroffen und sehr gut geputtet», stellte Olesen zufrieden fest. Dahinter rangieren mit jeweils 138 Schlägen der Nordire Gareth Maybin und der Italiener Matteo Manassero.
In Lauerstellung liegt Tiger Woods. Der Amerikaner benötigte am Freitag 69 Schläge und schob sich mit 139 Schlägen auf den geteilten vierten Rang vor. «Ich denke, ich habe gut gespielt», erklärte Woods. Der ehemalige Weltranglistenerste darf damit bei seiner ersten Teilnahme in Abu Dhabi neben dem Antrittsgeld von rund zwei Millionen Dollar weiter auf den Siegerscheck hoffen.
Von solch einem verheißungsvollen Jahreseinstand war Kaymer, der das Wüsten-Turnier 2008, 2010 und 2011 gewonnen hatte, meilenweit entfernt. Wie schon am Vortag leistete sich der Weltranglistenvierte am dritten Loch sogar ein Doppelbogey (zwei über Par). Damit waren seine Hoffnungen auf ein Happy End endgültig zerstört.
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